Stromingen in de islam

13. Glaubensrichtungen des Islam

Allgemein bekannt sind nur zwei Glaubensrichtungen: die Schiiten, die sich hauptsächlich im Iran befinden und die Sunniten, die die Mehrheit der Moslem ausmacht. Aber es gibt noch mehrere andere größere Abspaltungen.
Die Hauptthemen der Spaltungen innerhalb des Islam waren:

  • Ist der Koran erschaffen oder unerschaffen?
  • Qualifikation des Gemeindeleiters nach Mohammed für sein Amt. Ist direkte Abstammung von Mohammed notwendig?
  • Ist das Leben komplett vorherbestimmt oder gibt es einen freien Willen des Menschen vor Allah?

13.1. Châridschiten
»Ausziehende«, auch als Ibâditen bezeichnet. 657 aus Protest gegen Ali entstanden, der eine Gottesentscheidung einem menschlichen Schiedsgericht unterwirft. Ali besiegte seine Feinde, die sich um Mohammeds Witwe Aïscha geschart hatten, stimmte aber einem Vergleichsangebot des Statthalters Syriens, Mu`âwiya, zu. Seine innerparteilichen Gegner nutzten diese Schwäche zu ihren Gunsten aus. Sie ermorden Ali 661.
Lehre:
Vor Allah zählt nur absolute Reinheit. Der Führer der Gläubigen muß sie vorweisen. Allah bestätigt diesen durch Vollmacht und Erfolg. Alle anderen Gesichtspunkte spielen keine Rolle. Es gibt keinen Glauben ohne Werke. Die Häupter der Gemeinde müssen den »besten Moslem« suchen und den Sündhaften absetzen.

13.2. Sunniten
Die überwältigende Mehrheit der Muslime in aller Welt. Grundlage des Glaubens ist neben dem Koran die Wegweisung des Propheten Mohammed, wie er in den Hadithen überliefert ist. Dazu kommt die übereinstimmende Meinung der Gemeinschaft. Sie messen der politischen Stabilität im Staat sowie der Praktikabilität des Gesetzes große Bedeutung zu. Sie verlangen von einem Kalifen keine besonderen Tugenden und keine hervorragenden moralischen Qualitäten. Der Kalif soll aus dem Stamm Mohammeds kommen und in der Lage sein, die Gemeinschaft nach Recht und Gerechtigkeit zu führen.

13.2.1. Hanbaliten
oder Traditionalisten. Koran und Hadithen sind einzig zuverlässige Quellen des Glaubens und der religiösen Praxis. Jede Abweichung von dieser Norm wird als Neuerung (bid`a) und Ketzerei verurteilt. Auch der Gebrauch der Vernunft in der Auseinandersetzung mit Moslems und Nicht-Muslimen wird als unzuverlässig abgelehnt.

13.2.2. Mu`taziliten
Verstehen sich als Verteidiger des Glaubens mit rationalistischer Beweisführung.
Lehrsätze:

  • Gott ist der menschlichen Vernunft nicht zugänglich und daher mit der menschlichen Sprache nicht beschreibbar. Damit ist der Koran nicht ewiges, unerschaffenes Wort, sondern erschaffenes Medium der göttlichen Offenbarung und der Mitteilung des göttlichen Willens.
  • Der Mensch besitzt Willensfreiheit, die er dem allmächtigen Schöpferwillen Allahs verdankt. Damit ist der Mensch für seine Sünden bestrafbar.
  • Der Gläubige, der eine schwere Sünde begeht, wird nicht zum Ungläubigen. Er wird aber in das ewige Feuer geworfen, wobei seine Strafe geringer ist, als bei Ungläubigen.
  • Jeder Gläubige hat die Pflicht, das Rechte zu gebieten und das Verwerfliche zu verbieten.

13.2.3. Ash`ariten
Wendet sich gegen den blinden Glauben der Traditionalisten und gegen den uneingeschränkten Gebrauch der Vernunft der Mu`taziliten. Treten für einen gemäßigten, begründeten und durch vernünftige Beweisführung unterstützten Traditionalismus ein. Lehrsätze müssen zwar auf Koran und Hadithen beruhen, die Hadithen müssen aber der Kontrolle der Vernunft unterworfen sein. In der Auseinandersetzung mit Andersgläubigen gilt es, den Gegner zu überzeugen und die eigene Argumentation logisch einwandfrei aufzubauen. War jahrhundertelang die beherrschende Lehre.

13.2.4. Wahabiten
Durch Abdul-Wahhâb (1703-87) begründete Erneuerungsbewegung, die es sich zum Ziel setzte, den Ur-Islam und seine damaligen Kulturzustände wiederherzustellen. Der Islam sollte von allen Zusätzen und Erweiterungen gereinigt werden. Diese Reformbewegung setzte ihr Programm auch mit Mitteln der Gewalt durch.
Fünf Merkmale des Wahâbismus:

  • Radikale Ablehnung jeglicher Menschenverehrung
  • Verwerfung des Heiligenkultes und Betonung der Einheit Allahs
  • Abschaffung des Rosenkranzes (99 Kugeln, je einen für jeden Namen Allahs) und Unterlassung der Ausschmückung der Moscheen
  • Anerkennung von Koran und Hadith als einzige Offenbarungsquelle und Forderung nach einer wörtlichen Auslegung des Korans, die jegliche allegorische Deutung zu einem Mißbrauch werden läßt.

Ibn Saud baute das heutige Saudi-Arabien nach den Grundsätzen der Wahâbiten auf. Mehrheit der islamischen Fakultäten lehren nach diesen Grundsätzen.

13.3. Aliden oder Schiiten
Parteigänger der »Familie« des Propheten, entstanden nach der Ermordung Ali´s 661. ‘Zweitgrößte Gruppierung innerhalb der islamischen Welt, die in der heutigen Zeit besonders durch Radikalität und Gewaltbereitschaft auf sich aufmerksam macht, die auch auf andere islamische Gruppierungen übergreift. Sie zeigen aber auch eine Aufgeschlossenheit gegenüber fremdem Gedankengut, daher auch der Hang mancher Gruppierungen zum Synkretismus.
Lehre:
Allah hat ein für allemal das Charisma der Gemeindeleitung den Nachkommen Mohammeds verliehen. Wichtigstes ist aber die religiöse Führungsrolle des Gesamtleiters der Gemeinschaft, des Imâms. Er ist Nachfolger Ali´s in seinem Amt und in seinen religiösen Kenntnissen dank einer besonderen Einweihung durch Mohammed und dank einer besonderen Erleuchtung Allahs. Er wird zu einer fast unfehlbaren Instanz und ihm wird sogar Sündlosigkeit zugesprochen. Deutlich im Iran bei Ayathollah Chomeini.
Sie leben in der Erwartungshaltung, daß am Ende der Zeiten der verborgene Imâm kommen wird, um das Reich Gottes zu errichten. Die Idee des Mahdî, des messianischen rechtgeleiteten Imâms, gehört zu den tiefverwurzelten eschatologischen Erwartungen des Islam, besonders der Schiiten. Durch diese Erwartung der Mahdî-Aufstand im Sudan durch Mohammed Ahmed 1881-98 gegen die ägyptische Regierung und der englischen Kolonialmacht.

13.3.1. Zayditen
Erkennen nur 5 legitime Imâme an. Der letzte, Zayd, starb 739. Treten für die Wahl eines legitimen Imâms ein, der aber aus der Nachkommenschaft Ali´s kommen muß. Stand lehrmäßig den Sunniten nahe.

13.3.2. Imâmiten
Erkennen 12 Imâme als rechtmäßig an und werden deshalb Zwölfer-Shî`a genannt. Der letzte Imâm soll seit 940 in der Verborgenheit weiterleben. Bilden die bedeutendste Gruppe unter den Shi`iten.

13.3.3. Ismâ`îliten
Erkennen nur 7 Imâme an, deren letzter, Ismâ`îl, 760 starb, an. Sie betonen die innere Erleuchtung des geistlichen Führers, die ihm göttliche Autorität und Unfehlbarkeit verleiht.

13.3.4. Nusayrî oder Alawiten
Scheinen Ali einen göttlichen Kult zu widmen.. Ihre Lehre ist eine Mischung aus islamischen, christlichen, gnostischen und altorientalischen Elementen.

13.3.5. Drusen
Scheinen den Kalifen Hâkim zu vergöttlichen, der auf mysteriöse Weise verschwand. Ihre Geheimlehre ist nur einigen Eingeweihten bekannt. Sie glauben an die Wiederkunft des verschwundenen Hâkim und an die Seelenwanderung.

13.3.6. Babismus
Wurde vom Iraner Ali Muhammad Shîrâzî (1818-50) gegründet, der behauptete, die Pforte (Bâb) zu neuen religiösen Erkenntnissen über die göttliche Wahrheit zu sein.

13.3.7. Bahâ`ismus
Durch den Iraner Mîrzâ Husayn (1817-92), der Bahâ`Allah (Glanz Gottes) genannt wird. Diese synkretistische Religion unterhält Missionszentren in aller Welt.

13.3.8. Aleviten
Nicht zu verwechseln mit den Alawiten. Im Mittelpunkt der Lehre steht die schwärmerische Verehrung Alis, des Vetters und Schwiegersohnes Mohammeds. Spirituelle Auslegung des Korans und der Hadithen und ablehnung der fünf Säulen des sunnitischen Islam. Sie haben keine Moscheen und versammeln sich in Privathäusern. Frauen nehmen gleichberechtigt teil. Aleviten sind die zweitstärkste Glaubensgemeinschaft der Türkei.

Bron: http://www.dierssen.homepage.t-online.de/islam.htm